Ab jetzt und auf ewig. Klein, aber ehrgeizig: Dußlingen feiert seine BürgerstiftungIn Dußlingen nimmt die kreisweit dritte Bürgerstiftung ihre Arbeit auf – mit bescheidenem Kapital. Gleichwohl zeigten sich die Engagierten ambitioniert, als am sie am Donnerstagabend die Urkunde empfingen.

Dußlingen. Mit einem feierlichen Akt wurde am Donnerstagabend die Gründung der Bürgerstiftung Dußlingen besiegelt. Über hundert Bürgerinnen und Bürger, Prominenz aus Politik und Wirtschaft sowie Vertreter der örtlichen Vereine feierten die neue Institution.

Die Bürgerstiftung geht mit einem Kapital von rund 52000 Euro an den Start. Rund 10000 Euro gab die Gemeinde dazu. Rund anderthalb Jahre währte die Entwicklung von der ersten Idee über die Diskussion im Gemeinderat, die Akquise engagierter Bürger bis zur Anerkennung im vergangenen November (wir berichteten mehrfach).

Nach Tübingen und Rottenburg ist Dußlingen erst die dritte Bürgerstiftung im Landkreis. Stiftungsvorstand Samuel Begasse betonte am Festabend die soziale Verantwortung der neuen Institution. Als Maximen der Dußlinger Engagierten nannten Begasse: ökologisches Engagement, Sorge um Integration und Wiedereingliederung sowie die Pflege kultureller Identität vor Ort. „Wir haben schmerzlich am Beispiel der Ambacher Mühle erlebt“, so Begasse angesichts jüngster Ereignisse, „welche Lücke hinterlassen wird, wenn so ein Gebäude aus dem Ort verschwindet.“

Die Überschüsse, mit denen die Stiftung künftig aktiv wird, sollen nach dem Willen der Engagierten aus ethisch vertretbaren Geldanlagen erwirtschaftet werden: aus Klimaschutz, Sozialimmobilien oder Clean-Tec – „nicht aber aus Kriegswaffen und anderen zerstörerischen Technologien“, so Begasse. Der Nachhaltigkeits-Berater für Unternehmen und Anleger wies kritisch darauf hin, dass Wohlstand für breite Kreise der Bevölkerung mehr und mehr in weite Ferne rückt – ein weiterer Ansatzpunkt der Stiftungs-Projekte, die nach den Plänen der Aktiven nicht nur Menschen mit viel Geld offenstehen sollen. „Auch Kleinbeträge sind für Einzelne durchaus ein großes Opfer“, so Begasse. Wer nicht stiften könne, sei als Zeit- oder Ideen-Spender in den Reihen der Engagierten willkommen.

Zwischen den Musikstücken des Holzbläser-Ensembles der Jugendmusikschule Steinlach würdigten Bürgermeister Thomas Hölsch und Regierungspräsident Hermann Strampfer das Engagement vor Ort. Die Einrichtung, so Gründungsstifter Hölsch, sei „auf ewig“ angelegt und solle dort aktiv werden, wo die Zuständigkeit der Verwaltung, aber auch die der Vereine an ihre Grenzen kommt. Strampfer betonte die wachsende Bedeutung von Bürgerstiftungen in einer Zeit, in der andere Einrichtungen des lokalen Engagements – etwa Kirchen und Vereine – an Bedeutung verlieren.

Eike Freese

 

Drei in einem Kreis: Dußlingen, Tübingen, Rottenburg

Mit der neuen Bürgerstiftung an der Steinlach gibt es im gesamten Landkreis Tübingen erst drei Institutionen dieser Art: Neben Dußlingen sind das die Bürgerstiftungen der Städte Tübingen und Rottenburg. Dußlingen startete im Dezember mit knapp über 50000 Euro, Rottenburg vor zwei Jahren mit rund 85000 Euro. Die Tübinger Bürgerstiftung verfügt derzeit über ein Kapital von rund 120000 Euro. In den vergangenen Jahren hat das Bürgerstiftungswesen einen regelrechten Boom erlebt: 313 Einrichtungen gibt es derzeit im Bund, davon 101 in Baden-Württemberg.

foto samuel begasse und herr strampfer 18.1.13