Besuch bei der letzten Waagmeisterin in Dußlingen

Die Bürgerstiftung Dußlingen möchte unter dem Motto „Menschen verbinden – Zukunft für Dußlingen gestalten“ auch das aktive bürgerschaftliche Engagement in der Gemeinde stärken und fördern. Gemeinwohl und Gemeinsinn stehen somit auch im Mittelpunkt bei der Unterstützung lokaler, sozialer, ökologischer oder kultureller Projekte durch die Stiftung.
Die Vielfalt macht es aus. Dazu zählt auch das bereits laufende Projekt „Kulturelles Erbe von Dußlingen bewahren – wie es früher war“. In diesem Projekt interviewen wir mit tatkräftiger Unterstützung durch Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Schule Dußlingen ältere Dußlinger Bürgerinnen und Bürger. Die Interviews werden videografiert.

Im Rahmen dieses Projektes hatten wir am 04. Oktober 2017 die Gelegenheit, ein Interview mit dem Ehepaar Möck zu führen.

D´Woog, Waaghäusle in Dußlingen 2017

Frau Margot Möck, geboren in Schlesien und Herr Georg Möck, geboren in Dußlingen, waren seit 1973 für über 30 Jahre die geprüften Waagmeister für die Dußlinger Waagen im Waaghäusle.

Das Waaghäusle am Hindenburgplatz 12 hatte seit 1934 eine neue Viehwaage (Wägebereich bis 1.500 kg) bekommen, zu der bestehenden Fuhrwerkwaage (7.500 kg), die dann 1958 durch eine Autowaage (20.000 kg) ausgetauscht wurde.

Die Geschichte der Waagmeister geht recht lange zurück.
Bis 1936 hatte Johannes Wörner den Posten inne, anschließend Herr Ernst Reutter, dann Herr Höschle und zuletzt das Ehepaar Margot und Georg Möck, bis 2009 der Wägebetrieb eingestellt wurde.

Um eine Waage bedienen zu dürfen musste eine Prüfung beim Eichamt abgelegt werden, und man wurde vereidigt, gewissenhaft und unparteiisch sein Amt auszuüben. Penibel genau wurde das Viehwaagbuch geführt, in früheren Zeiten mehrmals täglich, wurden Kühe, Kälber, Schweine, Ochsen, auch Wildschweine, ja sogar auch Obstfässer gewogen.

Die Waagmeister mussten sich von Montag bis Samstag morgens ab 6 Uhr, über die Mittagszeit und auch abends sich zur Verfügung halten. Im Sommer kamen die Viehbesitzer oft sogar schon um ½ 6 Uhr.

„Ich wollte auch einfach mal einkaufen oder zu einem Familienfest gehen können“, erzählt Frau Möck, „aber dann mußte ich vorher jemandem meine Telefonnummer geben, damit ich gerufen werden konnte“.
Erst ab 1964 wurden die Bereitschaftszeiten wochentags von 7 – 12 Uhr und 14 -18 Uhr eingeschränkt und es gab den Samstagnachmittag sogar frei.

Reich konnte man dabei nicht werden: ab 1950 wurden 20 Pfennig für das Ermitteln des Gewichtes von Handwagen und Schubkarren erhoben, 30 Pfennig für das Wiegen von Rindvieh und Schweinen, für einen vollen Lastkraftwagen gab es immerhin 2,50 Mark.
Für Auswärtige wurde die doppelte Gebühr verlangt.
1958 wurden die Gebühren für jedes Stück Vieh auf 50 Pfennig erhöht und Auswärtige zahlten ab da das Gleiche. Der Waagmeister erhielt dafür 75% der Einnahmen. Nach Erhöhung der Wiegegebühren aber nur noch 50 % der Einnahmen, die jeweils gleich bar bezahlt wurden.
Frau Möck erzählt aus ihren langen Jahren als Waagmeisterin: „Oft kamen große Anhänger mit Heu oder Stroh, hauptsächlich in der Ernte und auch wenn die Landwirte die Ladung verkaufen wollten“.
Auch für den örtlichen Schrottsammler war es wichtig zu wissen, wie viele Eisenmetalle er auf seinen Anhänger aufgeladen hatte. Als die Steinlach ausgebessert und begradigt wurde, kamen eine lange Zeit über Lastwagen mit übergroßen, schweren Steinen. Meistens am Montag kamen die Metzger aus Dußlingen (Adler, Germania, Ochsen) mit den zu schlachtenden Schweinen zum Wiegen. „Ganz extrem war es, wenn ein bockiger Bulle gewogen werden sollte“, erinnert sich Frau Möck, „die haben die kommende Gefahr erkannt.

Ehepaar Möck

Beim Wiedereinladen in den Anhänger entlief sogar mal ein Bulle und beide, Metzger und der Bulle, standen in der Steinlach, und das Tier musste mühsam wieder eingefangen werden“. „Das war auch für mich gefährlich“, erzählt Frau Möck, „und einmal ist auch ein Bulle ausgerissen und wollte die Treppe vom gegenüberliegenden Milchhäusle hochsausen“. Ebenso oft kam die Polizei mit einem zu schwer beladenen Auto vorbei um aus dem Übergewicht die Strafe zu ermitteln. Im Rückblick meint Frau Möck seufzend: „Insgesamt war es eine schöne Zeit“ Nach dem Ablauf der Eichfrist 2009 wurde der Betrieb der Vieh- und Brückenwaage eingestellt.

Schön wäre es, wenn das Waaghäusle als Teil der Dußlinger Geschichte nicht in Vergessenheit geraten würde.

Die Dußlinger Bürgerstiftung möchte gerne festhalten, wie es früher in Dußlingen war. Wir möchten Alteingesessene zu Geschichten aus Ihrer Schulzeit, dem Dorfleben oder den Kriegswirren, interviewen, damit dies nicht verloren geht. Oft weiß der Enkel nicht mehr wie sein Großvater aufgewachsen ist. Wer uns gern was erzählen, oder alte Bilder zeigen möchte, wende sich bitte an die Dußlinger Bürgerstiftung. Wir freuen uns auf neue Geschichten.